Demenz Aggression – Hintergründe und Ursachen

Ab einem Alter von 80 Jahren leidet etwa jede fünfte Person an Demenz. Die Anzahl der Demenzkranken wird in Zukunft noch steigen, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass die Menschen immer älter werden.

Fortschritte in der Medizin, moderne Hygienemaßnahmen, gute Ernährung und angenehmere Wohn- und Arbeitsbedingungen trugen dazu bei, dass die Lebenserwartung in den letzten 130 Jahren deutlich zunahm. Demenz tritt vorwiegend im hohen Alter auf. Aufgrund eines neurologischen Vorgangs sterben Nervenzellen im Gehirn ab, was einen Abfall der geistigen Leistungsfähigkeit zur Folge hat.

Wenn bei Demenz Aggression in verstärktem Maße auftritt, brauchen Pflegepersonen viel Geduld und starke Nerven

Demenz wird von einer Reihe von Symptomen begleitet:

  • Das eingeschränkte Erinnerungsvermögen geht weit über eine altersbedingte Vergesslichkeit hinaus.
  • Motorische Fähigkeiten lassen nach.
  • Das Sprachvermögen verringert sich, was sich in häufigen Wiederholungen zeigt.
  • Mangelnde Körperpflege hinterlässt einen verwahrlosten Eindruck.
  • Die Haushaltsorganisation bricht zusammen.
  • Personen aus dem persönlichen Umfeld werden nicht mehr erkannt.
  • Sozialer Rückzug hat Vereinsamung zur Folge.
  • Geistiger Abbau führt unter Umständen zu depressiven Verstimmungen.
  • Das Zeitgefühl geht verloren, deshalb verändern sich die Tagesabläufe. Tagsüber wird viel geschlafen und nachts treibt die Unruhe aus dem Bett.
  • Angesichts der Orientierungsprobleme können Demenzkranke nicht mehr alleine aus dem Haus.
  • Zu den Wesensveränderungen zählt häufig die typische Demenz Aggression.
  • Kontrollverlust ruft unangebrachtes Misstrauen hervor, auch den eigenen Angehörigen gegenüber.
  • Demenzkranke reagieren auffallend oft aufbrausend.
  • Es kommt zu Sinnestäuschungen, in schlimmen Fällen sogar zu Wahnvorstellungen.
  • Durch die totale Enthemmung können Wut und Zorn mit tätlichen Angriffen verbunden sein.

Demenz Aggressionen und ihre Ursachen

Demenzerkrankungen verlaufen schleichend. Zunächst merkt niemand etwas davon, zumal sich die ersten Aussetzer noch mit Schusseligkeit entschuldigen lassen. Mit der Zeit verlieren die Betroffenen jedoch immer mehr alltagsrelevante Fähigkeiten und sind auf Betreuung und Pflege angewiesen.

Besonders drastisch wird es für Pflegepersonen, wenn die Demenz Aggression mit sich bringt. Ehemals sanftmütige Menschen können plötzlich sehr jähzornig sein. Meist handelt es sich um verbale Attacken. Es kann aber auch zu Handgreiflichkeiten kommen.

Für pflegende Angehörige ist es sicherlich tröstlich zu wissen, weshalb sich Demenzkranke so verhalten. Angst tritt als eigentlicher Grund für Wutanfälle in Erscheinung. Die Aggression dient lediglich der Abwehr einer irrtümlich angenommenen Gefahr. Sinnestäuschungen beeinflussen die Wahrnehmung teilweise so stark, dass sich Demenzkranke bedroht fühlen. Das aggressive Verhalten sollte deshalb niemals persönlich genommen werden.

Auf Demenz Aggression reagieren

Der Umgang mit Demenzpatienten zerrt an den Nerven. Trotz allem empfiehlt es sich Ruhe zu bewahren. Halten Pflegepersonen mit lautem Ton dagegen, kann die Situation komplett eskalieren. Falls beruhigende Worte ihre Wirkung verfehlen, bringt eventuell ein kurzzeitiges Verlassen des Raumes den erhofften Erfolg.

Die Sicht der Dinge bei einer anderen Wahrnehmung ausreden, ist wenig sinnvoll. Mit Ablenkung lässt sich wahrscheinlich mehr erreichen. Gab es für das aggressive Verhalten einen eindeutigen Auslöser, vermindert die Vermeidung ähnlicher Situationen die Aufregung.

Wer sich bei der Pflege von Angehörigen total überfordert fühlt, sollte sich dringend um Hilfe bemühen. Aufopferung bis zur körperlichen und psychischen Erschöpfung hilft keinem. Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt zeigt Möglichkeiten auf, die entlasten. Wichtig wäre zudem eine frühzeitige und reelle Einstufung, bis zu welchem Fortschritt der Erkrankung eine häusliche Pflege geleistet werden kann.

Weitere Literatur zum Thema: Demenz Aggression

Hilfsangebote für pflegende Angehörige

Tritt bei Demenz Aggression in verstärktem Maße auf, fühlen sich Familienmitglieder oftmals total überfordert. Zu den körperlichen Anstrengungen, die eine häusliche Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen mit sich bringt, kommt noch der seelische Druck hinzu.

Wenn Vater oder Mutter auf herabwürdigende und verletzende Art und Weise reagieren, gerät das psychische Gleichgewicht schnell aus seiner Balance. Wer ständig Widerständen und Wut ausgesetzt ist, nimmt eventuell ein ähnliches Verhalten an. Dabei wäre eine Ruhe und Harmonie ausstrahlende Gelassenheit weitaus angebrachter.

Vom Verstand her lässt sich ein bedachtes Vorgehen gewiss nachvollziehen, doch in der jeweiligen Situation gelingt die Umsetzung der beabsichtigten Praktik hinsichtlich der Demenz Aggression nicht immer.

Hinweis:
Pflegende Angehörige, die merken, dass sie sich übermäßig gereizt verhalten, auch anderen Menschen gegenüber, sollten schnellstmöglich Hilfe in Anspruch nehmen.

Hier ein Auszug des Angebots, das pflegenden Angehörigen zur Verfügung steht:

  • Selbsthilfegruppen
  • Angehörigenkreise
  • Pflegeberatung
  • Seminare zu psychosozialen Themen
  • Entlastungsleistung der Pflegekasse bei besonders hohem Betreuungsbedarf
  • Ehrenamtliche Betreuungsdienste, die auf Abruf stundenweise einspringen.
  • Nachbarschaftshilfe
  • Kuraufenthalte für pflegende Angehörige älterer Menschen
  • Familienpflegezeit für Beschäftigte
  • Informations- und Beratungsstellen
  • Sogenannte niedrigschwellige Betreuungsangebote: Die Unterstützung zielt auf Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und ihre Pflegepersonen. Voraussetzung: bestätigter Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen.
  • Kurzzeitpflege, damit pflegende Angehörige zwischendurch einmal ausspannen können.
  • Verhinderungspflege für längstens 6 Wochen, wenn die Pflegeperson in Urlaub fährt oder aus Krankheitsgründen ausfällt.

Übrigens: Gibt es keine Selbsthilfegruppe in der Nähe, hat jeder die Möglichkeit, ein selbstorganisiertes Zusammentreffen von Menschen mit gleichen Problemen in die Wege zu leiten.

Garantiert gibt es in der jeweiligen Region noch mehr Personen, die einen Angehörigen mit fortschreitender Demenz pflegen und sich gerne mit anderen Betroffenen austauschen möchten. Sicherlich gehört Demenz Aggression zu den zahlreichen Themen, die während der Treffen zur Sprache kommen.

Auskünfte zur Gründung einer Selbsthilfegruppe erteilen z.B. die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft.

Das passende Pflegeheim finden

Bis zuletzt wird bei Demenz nur noch in den seltensten Fällen zuhause gepflegt. Ambulante Pflegedienste bieten bei Pflegebedürftigkeit Hilfe, sie kommen aber in der Regel nur morgens und abends vorbei.

Oftmals ist die Kraft der Angehörigen irgendwann komplett erschöpft, so dass notgedrungen ein Pflegeheim in Erwägung gezogen werden muss. Geschulte Kräfte können weitaus besser mit Demenz Aggression umgehen, denn dieses krankheitsbedingte Verhalten ihrer Schützlinge gehört zu ihrem beruflichen Alltag.

Unter Umständen stellt die Tagespflege eine gute Lösung dar. Demenzkranke halten sich tagsüber in einer Pflegeeinrichtung auf und kommen abends wieder zurück in ihre gewohnte Umgebung. Oftmals zählt sogar ein Hol- und Bring-Service zum Leistungsumfang.

Gerontopsychiatrische Tagesstätten gestalten den Tagesablauf auf Demenzkranke zugeschnitten. Eventuell wird gemeinsam gebacken und gekocht oder Gartenarbeit verrichtet. Die Fertigkeiten und Wünsche der zu betreuenden Personen finden dabei natürlich Berücksichtigung.

Bei mittlerer bis schwerer Demenz wird eine 24-Stunden-Pflege unausweichlich. Eine häusliche Ganztagspflege rund um die Uhr lässt sich mit einer fest eingestellten Pflegekraft realisieren. Sie arbeitet auf selbstständiger Basis und kümmert sich sowohl um Pflege und Betreuung als auch um den Haushalt. Für die Pflegekraft muss allerdings ein separates Zimmer mit Bett und Kleiderschrank zur Verfügung stehen.

Kommt schließlich nur noch die Ganztagspflege in einem Seniorenheim in Betracht, erweist sich eine Einrichtung als zweckmäßig, die sich auf Demenzkranke spezialisiert hat. Bei der Auswahl gilt es, auf Pflegeschwerpunkte, das Serviceangebot und natürlich auf die Kosten zu achten.

Wer trägt die Kosten für das Pflegeheim?

Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn Vater oder Mutter aufgrund der fortschreitenden Demenz, Aggression und körperlichem Verfall in einem Pflegeheim untergebracht wird.

Bevor ein betreuender Angehöriger selbst erkrankt, empfiehlt es sich, die Pflege in professionelle Hände zu legen. Für einen Teil der Heimkosten kommt die Pflegeversicherung auf. Die Höhe dieses Betrages richtet sich nach der Pflegestufe, die nach einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst festgelegt wird. Der Rest muss aus eigener Tasche gezahlt werden.

Entgegen landläufiger Meinung, sind die Kinder, nachdem das Vermögen der Eltern aufgebraucht ist, nicht immer für die Übernahme der Heimkosten zuständig. Ob jemand zur Unterhaltspflicht herangezogen wird, richtet sich nach Einkommen und Besitz. Ein selbst bewohntes Haus bleibt unangetastet. Außerdem steht jedem Kind ein Schonvermögen zu, das nicht zur Anrechnung kommt.